Entweder Gourmet oder Geldbeutel

Das neue Aldi-Bistro am Kölner Mediapark steckt direkt in einem Dilemma:
Ist es noch Werbung oder schon ein Restaurant?

Von Sebastian Huck

Idyllische Lage, direkt am Wasser. Die Sonne spiegelt sich darin und gibt ein wunderbares Licht auf die Lokalität. Es gibt verschiedene Weine und der Gast erhält ein ausgewähltes Drei-Gang-Menü. Dies klingt nach Sterneküche, gelegen am Bodensee. Nach einem Laden in dem nur angemessene Kleidung erwünscht ist. Dorthin führt der Ehemann seiner Angebeteten zum Hochzeitstag aus. Dieses Restaurant ist aber nicht irgendwo am Bodensee und auch nicht nur für exklusive Gesellschaften zugänglich. Dieses Restaurant ist genau genommen noch nicht mal ein Restaurant, dennoch hat man das Gefühl eines solchen Qualitätsanspruchs – auch beim Kunden. Die Rede ist vom Aldi-Bistro, dem ersten in Deutschland, welches seit Ende April geöffnet hat, wo seither am Kölner Mediapark die Gäste bedient werden und das Restaurant damit wirbt, das komplette Menü für 7,99 Euro anzubieten. Ein mutiges Unterfangen der Supermarktkette. Ist die Konkurrenz im Zeitalter von Food-Trucks auch zur Mittagszeit nicht mehr wirklich klein, weshalb diese Kampfpreise auch nicht verwundern. Daher wahrscheinlich auch die Wahl der Lage, mitten im Kölner Zentrum, am Mediapark, einem Ort an dem viele Leute nach immer wieder neuen Möglichkeiten zur Verbringung der Mittagspause suchen. Jedoch soll dies nur eine Marketingkampagne sein und das Bistro in wenigen Monaten wieder verschwinden, um andernorts Werbung zu machen.

Werbung in einem künstlerischen Gewand

Von außen gesehen überrascht das Bistro zunächst, da es zwar optimal liegt aber nicht einer klassisch-angemieteten Lokalität gleicht, sondern aus zwei, vielleicht auch drei größeren aneinandergereihten Containern besteht. Auf dem Dach der Container befindet sich zudem eine Art Außenbereich, welcher bei gutem Wetter weitere Aufenthaltsmöglichkeit bietet. Es ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, dass es sich um ein Bistro handelt, erst recht nicht eines von Aldi. Nur künstlerisch-gestaltete Schriftzüge mit dem Aldi-Logo in abgewandelter Form deuten daraufhin. Auch im Innenbereich ist die Gestaltung hip angehaucht. Es gibt nur ein paar größere Gruppentische, auf denen Gewürze und Kräuter platziert sind. Die Lampen sind mit alten Weinflaschen überzogen und das Tagesmenü ist auf kleinen Kärtchen abgedruckt, mitsamt dem passenden Rezept dazu. Natürlich werden dazu ausschließlich Produkte des Discounters verwendet und der Kunde soll die Gerichte auch daheim mit den gleichen Produkten nachkochen.

Würze nicht nur als Deko-Element

So schmeckt es im Endeffekt auch. Anders sehen Gerichte, die in der heimischen Küche entstehen im Regelfall auch nicht aus und schmecken auch nicht anders. Es gibt klassische Kantinengerichte, obwohl bei der Vorspeise und der Nachspeise keine Wahl bleibt und nur im Hauptgang zwischen Fleisch, Fisch und vegetarisch entschieden werden kann. Als Vorspeise gibt es immer eine Suppe wie eine Rote-Linsen-Suppe mit Hackbällchen. Die vegetarische Variante gibt es davon nicht. Dann wird auch klar, weshalb die ganzen Gewürze auf den Tischen stehen, weil die Suppe recht fad und lasch gewürzt ist. Gleiches gilt für das fleischhaltige Hauptgericht Chili con Carne, für das frische Produkte verwendet werde, aber vom Geschmack keine Restaurantansprüche erfüllen kann. Am besten überzeugt der Nachtisch, eine Heidelbeercreme mit Krokant und frischen Beeren, welche mit einer wirklich großzügigen Garnitur punkten. Geschmacklich top.

Mischung aus „Nordsee“ und Til Schweiger-Restaurant

Dies bringt im Endeffekt eine Zwickmühle mit sich, da das Aldi-Bistro sich zumindest in der Selbstdarstellung nicht entscheiden kann, ob es jetzt Restaurant oder Imbiss sein soll. Für einen Imbiss wäre die Qualität nämlich sehr gut und auch die Preise deuten eher in diese Richtung. Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung ist ohnehin einwandfrei und auch über das Essen ist gut. Keine Kritik. Dennoch hat man in diesem hippen Ambiente einen hohen Anspruch an das Menü und fühlt sich irgendwo zwischen „Nordsee“ und dem neuen Til Schweiger-Restaurant „Barefood-Deli“ gefangen. Vor allem der teilweise unkoordinierte Ablauf im Service spricht gegen ein Restaurants.

Alles in allem hatten Marketingleute eine wirklich gute Idee und die Möglichkeit, die Rezepte direkt für den eigenen Alltag zu übernehmen, ist eine gute Variante das Thema „Bewusste Ernährung“ voranzutreiben. Das Essen war wirklich sehr gut, auch wenn es einem nicht in Erinnerung bleibt. Wer genau diesen Anspruch an ein Mittagessen hat und den Geldbeutel schonen will, dem wird es im Aldi-Bistro gefallen. Für Feinschmecker und Gourmets, für Ehemänner, die ein besonderes Essen für die Gattin bevorzugen, eben für die Bodensee-Gesellschaft ist das Bistro jedoch nichts, auch wenn man optisch genau darauf schließen könnte.

Fotos: Sebastian Huck

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