„Man muss realistisch sein, wenn man Musik macht“

Die Kölner Sängerin Laeti lässt sich musikalisch in keine Schublade zwängen. Mit ihrer Debütsingle „Du weißt“, die kürzlich erschienen ist, mixt die 23-Jährige Pop- und RnB-Elemnte mit Afro-Beats. Das Ergebnis: Ein Ohrwurm, der es bereits ins Radio geschafft hat. Im Interview mit Anne Wildermann sprach die gebürtige Langenbergerin über die Teilnahme an der Casting-Show „The Voice of Germany“, ein zweites berufliches Standbein und ihre geplante EP, die Ende 2019 erscheinen soll

strories.koeln: „Deine erste Single ‚Du weißt‘ ist am 16. November dieses Jahres erschienen und wurde schon bei Radio Gütersloh gespielt. Wie kam es dazu?“

Laeti: „Es war schon immer ein Kindheitstraum von mir, dass ein Song von mir im Radio läuft. Als ich an meinem ersten Lied gearbeitet habe, habe ich natürlich überlegt: ‚Welche Intention habe ich?‘ ‚Nur zum Ausprobieren oder soll es richtig weitergehen?‘ Ich hatte mir dann auf der Arbeit Urlaub genommen, um den Song zu promoten. Ich habe mich dann mit einer E-Mail bei Radio Gütersloh vorgestellt und ihnen ‚Du weißt‘ mitgeschickt. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Zwei Tage später habe ich eine Rückmeldung vom Sender bekommen, dass der Song gefalle und ich auf Einladung ins Studio kommen solle.“

stories.koeln: „Wie war deine Reaktion?“

Laeti: „Ich war so perplex, dass mir sogar Freudentränen gekommen sind. Radio Gütersloh ist ein Sender, den ich früher gehört habe, wenn ich zur Schule gefahren bin oder während der Abizeit. Da war auch plötzlich dieses Heimatgefühl, zu denken: ‚Wow, da wohnen ja noch Leute von früher!‘. Meine Eltern leben noch dort.“

strories.koeln: „Wie ist der Song entstanden?“

Laeti: „Die Idee zu dem Song entstand eigentlich aus einer Situation, die mit Sicherheit viele kennen: Ich war damals noch neu in Köln, als ich mit Freundinnen auf die Ringe gegangen bin. Wenn man dort zu viert entlang ging, haben einen die Jungs angeguckt. Oft fühlt es sich unangenehm an, aber bei dieser einen Person, egal, ob es jetzt der Freund ist oder ein kurzer Flirt, findet man es irgendwie schön.“

stories.koeln: „Seit wann machst du Musik?“

Laeti: „Seit meinem vierten Lebensjahr, seitdem spiele ich auch Klavier. Ich habe auch eine Zeitlang an Wettbewerben teilgenommen.
Der Gesang war immer ein Thema. Während meiner Grundschulzeit habe ich bei Musicals mitgespielt. Ich hatte schon früh das Gefühl, dass mich die Bühne magisch anzieht. Als ich noch klein war, hat meine Mama uns (Anm. d. Redaktion: Laeti hat noch einen älteren Bruder und eine ältere Schwester) sonntags an kalten Wintertagen Konzerte von Whitney Houston und Phil Collins gezeigt. Wir haben zusammen gesungen und auf der Bühne hat alles gefunkelt – für mich gab es in dem Moment nichts Schöneres.
Richtig angefangen hat letztlich alles auf dem Gymnasium in Lippstadt. Dort gab es einen vokalpraktischen Kurs, bei dem ich Stimmbildung und Stimmtraining hatte.“

stories.koeln: „2012 hast du an der Casting-Show ‚The Voice of Germany’ teilgenommen und bist vor den ‘Blind Auditions‘ ausgeschieden. Wie bist du damit umgegangen?“

Laeti: „Allein schon, weil ich damals nicht daran geglaubt habe, dass ich überhaupt eine Runde weiterkomme, war es auf der einen Seite sehr enttäuschend für mich, dann ausgerechnet noch vor den „Blinds“ rauszufliegen. Gleichzeitig war es aber auch eine interessante Erfahrung für mich. Ich hatte zwar einige Tage danach keine Lust zu singen, aber komplett mit der Musik aufzuhören, war natürlich kein Thema für mich. Vielleicht habe ich ja noch mal Lust, bei einer Castingshow teilzunehmen. Ich habe das nie für mich ausgeschlossen.“

stories.koeln: „Beschreibe deine Musik in einem Satz.“

Laeti: „Meine Musik ist ein Mix aus verschiedenen musikalischen Farben. Ein Mix aus Afro-Beats, Pop- und RnB-Elementen. Ich glaube, dass dabei ganz eigene Musikelemente zusammenkommen und was Neues ergeben. Ich will auf kein Genre festlegt werden – welches es am Ende ist, ist egal. Hauptsache es ist mein Song. Ich bin von allem etwas – sowohl Pop als auch RnB. Ich will auf keinen Fall in eine Schublade gesteckt werden.“

stories.koeln: „Welche anderen Sänger beeinflussen deinen Musik-Stil?“

Laeti: „Im Deutschen ist es Namika. Sie ist eine Sängerin, die ich sehr gut finde.
Bis vor ein paar Jahren gab es noch diese Grenze: Entweder man macht Hip-Hop oder man macht Schlager – in der deutschen Sprache zumindest. Es gab von Pop oder RnB nicht wirklich was dazwischen, also was Modernes. Das hat gefehlt. Gerade Künstlerinnen wie Namika und Lary haben einen Zwischenweg gefunden und eine neue Tür geöffnet. Mittlerweile ist es egal, welchen Song man auf Deutsch macht – er funktioniert ebenfalls. Namika finde ich wegen ihrer Texte super – sie sind philosophisch. Auch englischsprachige Sängerinnen wie Rihanna und Beyoncé gefallen mir.“

stories.koeln: „Du bist bilingual aufgewachsen. Dein Vater ist Elsässer und deine Mutter kommt gebürtig von der Insel Île de la Réunion, die im indischen Ozean liegt und zur Region Frankreich gehört. Warum textest du auf Deutsch und nicht auch auf Französisch? Wäre das eine Option für dich?“

Laeti: „Es ist auf jeden Fall eine Option für mich, aber nicht für den ersten Song. Ich hatte natürlich schon im Hinterkopf, was bei den Leuten gut ankommt. Wenn man im Radio gespielt werden möchte, passt nicht alles rein. Französische Songs sind mega! Die laufen gut wie Aya Nakamura mit ‚Djadja‘ auf Big FM.
Ich habe aber noch keinen Künstler kennengelernt, der in Deutschland lebt, französisch singt und im Radio läuft. Ich glaube, dass französischsprachige Songs Mode geworden sind, eine Art Trendsetter in der Branche. Französischer Rap ist sehr beliebt – vor allem die Beats, Afro-Beats besser gesagt, an denen sich viele Künstler bedienen.
Ich denke, es ist schon was anderes, wenn du einen Song machst und die Leute verstehen nicht, worüber du singst, können ihn nicht nachempfinden. Namika hat es schlau gemacht. Sie hat ein paar Sätze auf französisch reingemacht – und alle finden es super. Ein bisschen gemixt, jeder hat gute Laune und singt mit. Das ist ein Konzept, das funktioniert. Aber komplett auf Französisch … weiß ich nicht.“

stroies.koeln: „Wie sehen deine nächsten Schritte im Musikbusiness aus?“

Laeti: „Mein Wunsch ist natürlich, mit der Musik Geld zu verdienen. Nichtsdestotrotz hatte es einen Grund, warum ich damals Journalismus studiert habe, weil mir das auch sehr viel Spaß gemacht hat. Man muss auch realistisch sein, wenn man Musik macht oder etwas anderes Künstlerisches, dass man nie die Garantie hat, dass etwas funktioniert und man sich somit ein zweites Standbein aufbaut.
Mein Freund und ich wollen nächstes Jahr weitere Songs produzieren. Wenn alles klappt, will ich im März eine weitere Single auf Deutsch rausbringen und Ende 2019 dann meine EP veröffentlichen. Da sind meistens nur sechs oder acht Songs drauf, also ein kleines Album. Wenn ich das wirklich schaffe, dann will ich auch einen französischen Song herausbringen, aber mit deutsch und englisch gemixt. Vielleicht singt mein Freund auch mit, er englisch und ich französisch und deutsch.
Bis 2020 habe ich mir eine Deadline gesetzt. Ich denke, man spürt, wenn es soweit ist, und man sich zum Beispiel ein Jahr lang nur auf die Musik konzentrieren und schauen kann, was dann kommt. Aktuell ist das schon wegen des finanziellen Aspekts nicht möglich.“

stories.koeln: „Stichwort ‚Selbstvermarktung‘, auch in Hinblick darauf, wenn man (noch) keine hiesige Plattenfirma im Rücken hat: Wie wichtig ist das eigene Marketing für dich?“

Laeti: „Sehr wichtig. Instagram ist für mich die beste Plattform. Facebook ist gefühlt abgegrast, es kommt nicht mehr so gut an. Die Leute scrollen zwar rauf und runter, nehmen sich aber nicht die Zeit, um die Beiträge zu lesen oder sich diese genau anzugucken – im Gegensatz zu Instagram. Dort schaut man sich die Bilder an und lässt sie wirken. Mein eigener Konsum ist auch so. Deshalb glaube ich, dass meine Zielgruppe ganz ähnlich tickt.
Youtube ist eine Plattform, bei der es sehr schwer ist, Leute an sich zu binden. Leute, die keine Musik machen oder dort keine Videos hochladen, haben keinen Account und können dann meinen wiederum nicht abonnieren. Gerade die Cover-Songs, die ich gemacht und dort hochgeladen habe, kamen nicht so gut an wie bei Instagram.“

Zur Person: Laeti (23), bürgerlicher Name Laetitia Marie Ecklé, kommt aus Langenberg im Kreis Gütersloh, und lebt seit fünf Jahren in Köln. Sie hat dieses Jahr ihren Bachelor in Journalistik an der Macromedia absolviert und arbeitet seitdem als Redakteurin bei der Kölner TV-Produktionsfirma Endemol.
Im Alter von 17 Jahren nahm sie an der Casting-Show „The Voice of Germany” teil, schaffte es allerdings nicht bis in die „Blind Auditions“. Das ist der Part der Show, der im TV ausgestrahlt wird und bei dem die Teilnehmer zum ersten Mal vor die Coaches und das Publikum treten.
Für den Dreh zu ihrem ersten Musikvideo von „Du weißt“ ging es diesen Sommer nach Brüssel. Musikalische und technische Unterstützung bekommt die Sängerin von ihrem langjährigem Freund Keys Ajason, der als Singer-Songwriter und Produzentin Köln arbeitet.

Fotos: Keys Ajason und Dimitri Ecklé

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